Aus Menschenmund

Hier noch ein tolles Gedicht nach klassischem Vorbild von Gangolf Seitz:

Die eisige Gischt sprüht schäumend aufs Deck,
Das Schiff neigt sich mächtig nach Lee,
Doch es zieht unbeirrt im Sturm seinen Weg
Durch die Wogen der nördlichen See.

Auf der Brücke steht einer, den’s Wetter nicht stört.
Gelassen das Steuer er hält.
Das Schiff ist stabil, denn die „Terror“ gehört
Dem reichsten Manne der Welt.

Alaskas Küste liegt achteraus,
Voran dräut der felsige Strand.
Das Schiff folgt dem Käpten durch Sturmgebraus,
Er lenkt es mit sicherer Hand.

Im Bauche des Schiffes ruht güldene Fracht,
Sie ist es einzig, die zählt.
Sie wird dereinst mehren Wohlstand und Macht
Des reichsten Mannes der Welt.

Es dringt durch die Nacht ein heller Schein.
Der Käpten steuert das Schiff
Am Leuchtturm vorbei in den Sund hinein.
Und backbord lauert das Riff.

Da steigt aus den Wassern ein grauses Gebild:
Eine Bark jagt heran durch die Nacht.
Am Bug rollt ein Recke die Augen wild
Und schwingt den Säbel mit Macht.

Der Käpten steht starr in höchster Not,
Als des Seeräubers Stimme gellt:
„Jetzt ist es mein, das wertvolle Boot
Des reichsten Mannes der Welt!“

Ein jäher Schrecke erfasst alle Mann.
Nur weg von dem grausigen Ort!
„Rette sich, wer sich noch retten kann!“
Und die Mannschaft springt über Bord.

Ein Hohngelächter erfüllt die Nacht,
Indes auf den Klippen zerschellt
Das kostbare Schiff mit der güldenen Fracht
Des reichsten Mannes der Welt.




Hier ein Gedicht, das auf eine Geschichte von Carl Barks umgedichtet wurde von Gangolf Seitz. Das Original hat unser Dichterfürst Schiller gechrieben ("Der Taucher"). Darunter das passende Bild aus der Geschichte.

Wer wagt es, ob Bootsmann, ob Ruderknecht,
Zu tauchen in dieses Loch?
Es haust dort ein Ungeheuergeschlecht
Noch niemand je in seine Höhle kroch.
Noch nie hat es jemand fotografiert,
Weil Unheil es und Schrecken gebiert.

Im trüben Gewässer gründelnd treiben
Bewaffnet mit allerlei Fotogerät
Die Ritter des Glücks. O, lasset es bleiben,
Ihr kennt nicht das Grauen! Schnell ist es zu spät.
Was die heulende Tiefe da unten verhehle,
Das erzählt keine lebende glückliche Seele.

Da wallet das Loch und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Das Kameravolk rast durch die Gischt,
Und alles zum rettenden Ufer drängt.
Mit peitschender Macht die Wogen zerschlägt
Die Seeschlange, die rücklings Fransen trägt.

Doch da erscheint einer, nicht groß von Gestalt,
Im Leibe belebende Speise.
Ruft: ich bring den Unhold in meine Gewalt!
Macht mutig sich auf die Reise.
Und wird von des Loches brodelnden Wogen
Hinab in die schwarze Tiefe gezogen.

Unser Held find't die Schlucht, wo das Untier haust,
Tritt mit Macht auf den Schwanz des Drachen,
Das erschröckliche Tier im Zorne aufbraust
Reißt auf den gewaltigen Rachen.
Der Seeschlange Innerstes, hoch wie ein Dom
Wird dokumentiert auf Kodachrome.

Den Mann schon im Maule erblicket das Tier
Die Speise, die Mut verleihet.
Es öffnet das Maul in unendlicher Gier
Und mit Schmatzen den Helden ausspeiet.
So rettet die Speise, die Mut ihm gegeben,
Zugleich auch unserem Helden das Leben.

Und sieh! Aus dem finster flutenden Schoß,
Da hebet sich's entenweiß,
Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß,
Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiß.
Doch wie schnell ist das Glück uns'res Helden zerronnen:
Den Fotopreis, den hat er nicht gewonnen.


© Walt Disney




"Sven"


© Reinhard Mey


Ein Freund rief an: "Hör mal, wenn es dich int'ressiert,
Ich lese grad, Don Rosa 's in der Stadt und signiert
Seine Zeichnungen im "Comix" in der Manufaktur
In der Friedrichstraße heut 16 bis 18 Uhr!"
Das muss man einem Schöngeist wie mir nicht zwei Mal sagen,
Der Frau Dr. Erika Fuchs seit Kindertagen
Verfall'n ist, von ihrem Gedankengut kontaminiert,
Der, wie andre Schiller und Goethe, Donald Duck zitiert:
"Und lieg ich dereinst auf der Bahre,
So denkt an meine Gu-itarre!"
Für mich umfasst das Schöne, Gute, Wahre
Neben Nietzsche, Hegel, Schopenhauer, Kant und Marx
Auch die Comics von Don Rosa und Carl Barks.

'Ne knappe Viertelstunde später und ich stand
In der Schlange vorm Geschäft mit meinem Sammelband.
Der Laden war gerammelt voll und allen war klar,
Dass das 'ne Aktion für die nächsten Stunden war.
Also standen wir auf dem Bürgersteig in Mäandern,
Schlurften brav im Zickzack immer einer nach dem andern.
Vor mir in der Reihe total aufgekratzt stand
Ein kleiner Junge mit 'nem gestressten Vater an der Hand.
Einem von diesen Zeitgeistvätern,
Diesen neuen, etwas später'n,
Dafür etwas aufgeblähter'n Städtern,
Die du am Beifallheischen erkennen kannst:
"Alle mal herkucken, Leute: Ich hab mich fortgepflanzt!"

Es ging sehr langsam, das heißt, so gut wie gar nicht voran.
Der Junge stand heroisch, nur der Vater begann
Zu murren. Don Rosa nahm sich für jeden Zeit,
Schrieb und malte mit Geduld und Liebenswürdigkeit.
Ich würde ihn um eine Gundel Gaukeley bitten,
Oder einen Gustav Gans – die beiden vor mir stritten,
Das heißt, der Junge schwieg, aber über ihm hing
Der Groll des Vaters für jeden Schritt, den es nicht weiterging.
"Sven, das kannst du nicht von mir verlangen,
Ich wär schon längst gegangen,
Sven, was willst du mit so 'nem Blödsinn anfangen,
So 'ne Unterschrift, Sven – das ist mir schleierhaft!"
"Papa, warte, wir haben's doch gleich geschafft!"

Der Junge sieht zu ihm auf, fragend und bedrückt.
Jetzt sind wir ein paar Zentimeter weitergerückt.
Der Junge, der so gern seine Zeichnung will.
"Also Sven, mir reicht's!" Sven ist mucksmäuschenstill.
"Schluss jetzt mit dem ganzen Unfug, Sven, ich muss gehen,
Du kannst ja bleiben, aber dann kannst du allein zusehn,
Wie du danach allein nach Hause kommst!" - "Papa, bitte, bleib stehn!"

Der Vater ging, Sven blieb und über sein Gesicht
Ging die Grimasse, die man macht, eh man in Tränen ausbricht.
Er weinte nicht, kehrte sich in sich, tränenlos,
Die Ungleichheit des Kräftemessens war zu groß,
Das Ausgeliefertsein in diesen Nervenkriegen,
Zerreißproben, wo immer die Erwachsenen siegen!
Inzwischen kamen wir in der Zielgeraden zu stehn,
Konnten dem großen Meister schon über die Schulter sehn.
Vor uns nur noch zwei, drei Leute,
Ganz nah an der ersehnten Beute,
Das war der Augenblick, auf den er sich so freute,
Der Meister sah zu ihm auf, Sven war so aufgeregt,
Vor lauter Ehrfurcht klang seine Stimme belegt:
"Please, Mister Don Rosa", bat er heiser,
"Can you write: Für Hans-Dieter Kaiser?"




Für Donald


© Sanguis Draconis 29.12.2003


Du träumst vom Reichtum, von Geld und Glück.
In deiner Hängematte willst du auch ein Stück
vom großen Kuchen, der sich Leben nennt.
Es ist doch typisch, dass du dich verrennst
in deinem Eifer, was zu werden, was zu sein.
Und außerdem, was ist mit Daisylein?
Sie geht mit Gustav tanzen, ist doch klar,
du ziehst den kürz`ren, wie es immer war.

Die Neffen trampeln auf den Nerven rum,
hör nur, jetzt fällt die Bodenvase um,
denn diese kleinen Monster spielen Krieg,
gönnen dir nicht das kleinste Stückchen Sieg.
Ewige Schulden , verdammt zum Talerputzen
in Bergen aus Gold, doch ohne Nutzen
liegt all die Pracht hier dumm herum,
für`s Nichtausgeben machst du den Bürzel krumm.
Seit ewiger Zeit in Dago`s strenger Knute,
nicht mal der gute Wille schlägt zu Buche.
Doch halt, verzeih, dass ich es ganz vergaß,
einen Helden gibt es, namens Phantomias.
Der zwingt die Schurken in die Knie
und ist auch sonst so irgendwie
das Gegenteil von Donald Duck,
nur, dass ich eben beide mag.

Den Looser, den Verlierer, den verehr ich!
Kein and`rer Enterich ist so cholerisch.
Trotz deiner vielen weit verschrie`nen Fehler
lieb ich an dir doch jede einzel`ne Feder.
Du hast ein Herz aus Gold und krumme gelbe Füße,
`nen großen Schnabel und `ne verrückte Zirbeldrüse
die deine Wutanfälle immer wieder lenkt,
und doch hab ich dir etwas ganz geschenkt:

mein Herz und viele Stunden eifrigen Lesens.
Bin groß geworden mit den Facetten deines Wesens,
hab über deine Späße so gelacht,
hast mir geholfen über manche schwarze Nacht.
Du warst mir jahrelang ein wirklich treuer Kamerad
mit deiner lieb-cholerisch-megafaulen Art.
Du hast mir beigebracht was wirklich zählt im Leben:
Nicht Geld noch Gut, noch alles danach Streben.
Es ist die Herzensgüte, die alleine zählt.
Donald Duck - mit der gehört dir doch die ganze Welt.




Donald


© Jomi 07.06.2006



Donald ist die beste Ente,
Donald ist der größte Star,
Der große Kopf, die kleinen Hände,
Du bist einfach wunderbar!

Donald, wenn ich dich kennen würde,
Ich glaub, du wärst mein bester Freund,
Die Freundschaft würde niemals Mürbe,
Dich mögen glaub ich, alle Leut!

Auch wenn du bei euch verlacht wirst,
Und täglich kämpfst mit deinem Pech,
Wüsstest du, wie beliebt du hier bist,
Du wärst glücklich, Donald, echt!




Im Original von Samuel Taylor Coleridge. 1772–1834


"The Rime of the Ancient Mariner"


hier umgedichtet auf Entenhausen von Frau Dr Erika Fuchs


Der Fluch des Albatros



Schaumgekrönte Wellen branden
gegen Kap Kanaster an.
Bald werd’ ich dort wieder landen,
wo dereinst mein Weg begann.

Wind frischt auf, und mit dem Brausen
fliegt mein Schiff in Richtung Watt.
Schon gewahr’ ich Entenhausen:
Heißgeliebte Heimatstadt!

Lichtbestreuter Hafen — endlich
fährt mein Kurs mich an den Kai.
Vor mir wird die Skyline kenntlich
— da erklingt von Luv ein Schrei.

Gellend klingt er, so als ginge
grad ein Topgast über Bord.
Mit dem nächsten Rettungsringe
eile ich zum Unfallort.

Doch das Meer liegt bleigegossen,
niemand aus der Mannschaft fehlt.
Über meinen Schreck verdrossen,
hab’ ich es dem Maat erzählt.

“Was Euch eben so verdroß,
das war der Ruf des Albatros.
Wehe dem, der ihn vernimmt:
Sein Schicksal ist vorausbestimmt.”

Kaum gehört, ist’s schon geschehen,
und das Unglück zieht herauf.
Vor mir türmen sich die Seen
bis auf Leuchtturmhöhe auf.

Wie ein Jux der Elemente
tanzt im Sund mein stolzes Schiff.
Backbord drohen Felsenwände,
steuerbord das Teufelsriff.

Da, die Durchfahrt! Und es schießt rein;
Gott hat uns den Weg gesucht.
Vor uns muß die Insel Kniest sein,
wir sind in der Gumpenbucht.

Still verdümpeln kleine Wellen,
denn der Sturm zog hier vorbei.
Doch wie tausende Tschinellen
hämmert wieder dieser Schrei.

Wer verdenkt mir meine Rage,
als ich seinen Ursprung such’?
Auf der höchsten Takelage
sitzt der Vogel wie ein Fluch.

Und der Maat brüllt ängstlich: “Boss,
er ist zurück, der Albatros!
Zweimal wehe, wer ihn schaut.
Sein Leben ist auf Sand gebaut.”

Ich vergesse Ruh’ und Sitte
— dieser Vogel macht mich krank —
und betrete die Kajüte
mit des Käpt’ns Waffenschrank.

Knarrend öffnet sich die Türe
und ermöglicht mir die Wahl
aus dem glitzernden Spaliere
voller kaltem blauen Stahl.

Das Kaliber sei ein solches,
daß vom Opfer nichts mehr bleibt,
das die Federn dieses Strolches
bis zum Erdtrabanten treibt.

Gut gezielt: Ich expediere
durch der Waffe langen Lauf
diesem großen Unglückstiere
eine Ladung Blei hinauf.

Doch die brav getroffne Leiche
stürzt herab wie ein Geschoß.
Fragt mich nicht warum, ich weiche
ihm nicht aus, dem Albatros.

Weh mir Frevler, daß ich schoß
den Schicksalsvogel Albatros!
Dreimal wehe, daß ich traf!
Dafür trifft mich des Schicksals Straf’!